Nur eine zerstörte Waffe ist eine gute WaffeWolf-Christian Paes beleuchtet den Waffenhandel in Afrika (4. Okt. 2005) |
||
|
Wer denkt bei "Kalaschnikow" nicht an Aufständische in Afrika oder
an Gangsterbanden in Südamerika? Dieser Gedanke ist nicht falsch.
Doch wer hätte gedacht, dass sich gut ein Drittel aller
Kleinwaffen weltweit in den USA befinden, davon 97 % in
Privatbesitz? Aber in einem Punkt kann Wolf-Christian Paes vom
Internationalen Konversionszentrum Bonn (BICC) die Zuhörer in der
Villa Ecarius beruhigen: "Dort besteht kaum die Gefahr, dass das Land
in Anarchie versinkt" - und genau das ist der Unterschied zu
afrikanischen Ländern.
Dabei geht es nicht nur um Länder, in denen Bürgerkrieg herrscht, sondern auch um Länder wie Kenia, das hierzulande gerne mit Traumstränden, Safaris und Demokratie in Verbindung gebracht wird. In den dortigen Großstädten haben die Kriminellen dank ihrer Sturmgewehre freie Bahn, die Polizei hält sich sicherheitshalber heraus. Doch auch die Nomaden nutzen solche Kleinwaffen gerne zur Verteidigung und Eroberung von Vieh und Weideland - die althergebrachten Friedensmechanismen funktionieren nicht mehr, auf zwanzig Kühe kommen heutzutage bereits vier Gewehre. Denn Kleinwaffen brauchen nur ein wenig Öl, um Jahrzehnte funktionstüchtig zu bleiben, sie sind leicht zu bedienen und in Lizenzproduktion relativ billig. Die ursprünglichen Lizenzgeber hingegen schrammen immer nur knapp am Konkurs vorbei. Wurde früher nur für Regierungen produziert, die dann ihre Verbündeten belieferten, hat sich das Waffengeschäft seit dem Ende des kalten Krieges privatisiert, spielen Waffenhändler eine immer größere Rolle, die nicht nur an Regierungen, sondern auch an nichtstaatliche Gruppierungen liefern. "Und wenn |
tatsächlich ein
Embargo besteht, gibt es genug befreundete Staaten, die ein fingiertes
Endabnahmezertifikat ausstellen, und die Umleitung dieser
Lieferungen stellt dank fehlender Luftraumüberwachung in weiten
Teilen Afrikas gar kein Problem dar", berichtet Wolf-Christian Paes.
Finanziert werden solche Waffenlieferungen zunehmend durch Rohstoffe: Tropenholz, Coltan, Gold, Diamanten... "Blutdiamanten" wurden letztere oft genannt, haben sie doch die Bürgerkriege in Liberia und Angola über Jahre am Leben erhalten. Erst mit dem Kimberley-Prozess wird seit zwei Jahren versucht, ein weltumspannendes Zertifikat-System einzuführen, das jeden Edelstein von der Grube bis zum Juwelier dokumentiert. In Liberia jedenfalls war dann der Bürgerkrieg ganz schnell vorbei. Problematisch ist somit nicht die aktuelle Kleinwaffenproduktion, sondern der Waffenbestand, der sich bereits vor Ort befindet. Denn nur dieser lässt sich mit Gewinn weiterverkaufen, vor allem wenn in einem Land ein Konflikt endet und in einem anderen ein Konflikt beginnt. Und genau dort liegt der Lösungsansatz des BICC: "Die Waffen müssen vernichtet werden, bevor sie weiterverkauft werden können", so lautet das Statement von Wolf-Christian Paes. Auch Sanktionen und Konsumentenboykotte können sich als wirksam erweisen. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: Ein internationales Waffenhandelsabkommen scheitert bislang vor allem am Widerstand der USA, die sich aus innen- und geopolitischen Gründen nicht festlegen wollen. |
|
| Petra Kirsch | ||