Februar 2008
   

Der Mensch ist beim Bösen unerhört gelehrig...


   

"Manche Dinge bleiben auch nach Jahrzehnten noch erschreckend aktuell" - mit diesen Worten durchbrach Gabi Uhl die Stille, nachdem Erich Kästners "Ballade vom Nachahmungstrieb" den Zuhörern die Nackenhaare hatte zu Berge stehen lassen. Wie damals haben in unseren Tagen z.B. die Fernsehbilder von der Hinrichtung Saddam Husseins Kinder veranlasst, diese Hinrichtung nachzuspielen, ohne an die tödlichen Folgen zu denken.
Dass sich Gabi Uhl für "Alive - Koalition gegen die Todesstrafe e. V." engagiert, ist eigentlich einem Zufall zu verdanken, berichtet sie auf Einladung der Speyerer Ortsgruppe von amnesty international. Sie begleitete eine Freundin zu einem Besuch bei einem Todeskandidaten in Texas und freundete sich dabei ebenfalls mit ihm an. Seine Schuld spielte dann immer weniger eine Rolle, und seine Hinrichtung 1998 bestärkte sie in dem Entschluss, sich gegen diese Art der Bestrafung zu engagieren. Ihr Engagement wirkt dabei absolut glaubwürdig.
135 Länder dieser Erde haben die Todesstrafe abgeschafft, 62 Staaten mit 70 % der Weltbevölkerung wenden sie noch an. Singapur und China, Iran und Irak sind die Länder, in denen die Zahl der Hinrichtungen zunimmt. Weltweit nimmt die Zahl der Hinrichtungen hingegen ab. In manchen Fällen klingen die Vergehen, für welche die Todesstrafe verhängt wird, in unseren Ohren absurd: Hexerei, Gotteslästerung, Ehebruch, Homosexualität, Prostitution, Schmuggel, Drogenhandel oder Landesflucht.


Da kommt es uns schon plausibler vor, wenn die USA die Todesstrafe dann verhängen, wenn ein Mord besonders brutal verläuft. Dabei fällt auf, dass sie eher ein Südstaatenthema ist, wobei ein Drittel der Hinrichtungen in Texas vollstreckt werden. Vielen Staatsanwälten und Richtern scheint es eher darum zu gehen, irgendeinen Täter dingfest zu machen, als die Wahrheit aufzudecken, was auch damit zusammenhängt, dass dort die Richter von der Bevölkerung gewählt werden. Da ist eine hohe Verurteilungsquote hilfreich. Allerdings besteht seit September 2007 de facto ein Hinrichtungsstopp, da die Frage nach der Zulässigkeit der Giftspritze momentan vor dem Obersten Gericht verhandelt wird. Selbstverständlich ist bei jedem von uns die Empörung groß, wenn es um Kindesmisshandlung oder Vergewaltigung geht, das ist ganz normal. Doch ist die Todesstrafe tatsächlich die Lösung? Zur Abschreckung taugt sie nicht, kein Verbrecher macht sich vor seiner Tat Gedanken über die Strafe, die vor ihm liegen könnte. Sie lindert keineswegs das Leid der Familie des Opfers, im Gegenteil, das gleiche Leid trifft die Familie des Täters, die sich genauso von ihm verabschieden muss. In den USA liegen zwischen Tat und Hinrichtung in der Regel viele Jahre, was für alle Beteiligten eine große Belastung darstellt. Ist lebenslängliche Haft als Sühne nicht genauso effektiv? "Eine Gesellschaft, die Hinrichtungen befürwortet, beweist eigentlich nur, welchen Hang zur Gewalt sie selber hat", meint Gabi Uhl. Ein Satz, den man sich merken sollte.


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