Grobes Foul der Sportartikel-Branche |
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| „‚Todschicke‘ Kleidung“, so lautete die
Veranstaltung im Hauensteiner „Schuhmuseum“ am Freitag, dem 18.
Juni, bei der Sonia Lara, eine ehemalige Näherin aus El Salvador,
über die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen dort
ansässiger Zulieferbetriebe großer Sportartikelkonzerne wie
Adidas, Nike, Puma, Fila, Kappa oder Reebok berichtete. Es war der
letzte Termin einer zweiwöchigen Vortragsreise, organisiert von
der Christlichen Initiative Romero (CIR), – und er war mit Bedacht
gewählt: Denn vieles von dem, was Sonia Lara sagte, erinnert stark
an Berichte über frühere Verhältnisse in der hiesigen
Schuhindustrie, und manches ehemalige „Steppmäre“
(Stepperin) konnte sich wohl auch mit ihr hinsichtlich ihrer
Tätigkeit als Näherin identifizieren. So kam es nicht von
ungefähr, dass die Initiatoren der Veranstaltung, nämlich die
Hauensteiner Gruppen von: amnesty international (ai), der Katholische
Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) sowie des Weltladens auf ein
reges Interesse seitens der Bevölkerung stießen und
erfreulich viele Besucher an diesem Abend begrüßen konnten. |
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Der obenstehende Artikel
entstand auf der Grundlage der historischen Erfahrungen im 19. Jhd.,
als in den Industrieländern die Arbeiter für Hungerlöhne
ausgebeutet wurden. Beispiels-weise betrug in der Hauensteiner
Schuhindustrie bis 1907 die tägliche Arbeitszeit elf Stunden,
während die Löhne so niedrig waren, dass die Schuharbeiter
nebenher noch Landwirtschaft betreiben mussten, um ihr Leben fristen zu
können.
In den Fabriken El Salvadors
beträgt die reguläre tägliche Arbeitszeit heute zehn
Stunden bei einem Monatslohn von ca. 150 Dollar; das ist weniger als
die Hälfte des Existenzminimums (die monatl. Miete einer
bescheidenen 2-Zimmer-Wohnung beträgt ca. 70 $, ein Liter Milch
kostet 1$). Darüber hinaus werden die Arbeiter während
Hochproduktionszeiten wie jetzt zur Fußball EM zu unbezahlten
Überstunden gezwungen. Sogar der Gang zur Toilette ist aus
zeitlichen Gründen unerwünscht und wird eingeschränkt.
In den Fabrikhallen gibt es Überwachungskameras – auch vor den
Toiletten –, um die Arbeiter zu beobachten und sicherzustellen, dass
sie ihre Arbeit nicht unterbrechen. Wird ein Arbeiter krank, muss er
zunächst einen Arzt des Unternehmens konsultieren, und
dieser verwehrt mitunter das Aufsuchen eines unabhängigen Arztes.
Einige Beschäftigte eines
Zulieferers von Adidas klagten über gesundheitliche Probleme
aufgrund der schlechten Trinkwasserqualität: Das Wasser habe einen
ungewöhnlichen Geruch und sei von gelblicher Farbe. Eine heimliche
Untersuchung der CI Romero ergab, dass die Bakterienbelastung des
Wassers um ein Vielfaches über dem zulässigen Grenzwert
liegt. Nun ist es aber den Beschäftigten nicht erlaubt, mehr als
einen halben Liter Wasser von zu Hause mitzubringen, weshalb sie auf
das verseuchte Trinkwasser im Betrieb angewiesen sind.
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Gegen all
diese Bedingungen wehren sich die Arbeiter und Arbeiterinnen
jedoch nicht, da es weder einen Kündigungsschutz noch eine
Arbeitslosenversicherung gibt, aber viele andere, die Arbeit suchen.
Nun denkt man, wo der Einzelne zu schwach ist, kann die Gemeinschaft
für Verbesserungen kämpfen. Doch sind die Fabrikbesitzer
anti-gewerkschaftlich eingestellt – wen wundert‛s –, und die Arbeiter
werden eingeschüchtert und bedroht, damit sie sich keiner
Gewerkschaft anschließen. Stattdessen wurden in den Unternehmen
Arbeiterkomitees eingerichtet, die aber nur Alibifunktion haben und
tatsächlich außer Geburtstagsfeiern nichts ausrichten.
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Angesichts dieser Zustände liegt der Gedanke nahe, die verantwortlichen Sportartikelhersteller zu boykottieren. Das hingegen wollen die Arbeiter in diesen Betrieben nicht, weil man ihnen damit den wenn auch geringen Verdienst entziehen würde. Eine andere, moderate Möglichkeit, dennoch Druck auszuüben, ohne den Arbeitern vor Ort zu schaden, ist das öffentliche Anprangern der miserablen Zustände in den Zulieferbetrieben. Damit trifft man die großen Sportartikelkonzerne nämlich an einer recht sensiblen Stelle. Beispielsweise gibt Adidas jährlich ca. 800 Mio. € für Werbung aus, um ein Image von Sportlichkeit, Fairness und Erfolg zu erzeugen. Und da hinein passt eben nicht der menschenverachtende Umgang mit den Beschäftigten in den Zulieferbetrieben. Diese Strategie hat auch schon
zu ersten Erfolgen geführt: Zum Beispiel gibt es in diesen
Betrieben mittlerweile keine Kinderarbeit mehr, und Frauen müssen
bei Bewerbungen keinen Schwangerschaftstest mehr machen. Ein weiterer
Erfolg ist die Errichtung von Verhaltenskodizes seitens der
großen Sportmarken, deren Einhaltung von den Zulieferbetrieben
zwingend verlangt wird. Allerdings erfolgt die Überprüfung
der Kodizes nur durch konzerneigene Abteilungen, welche im
Interesse der Fabrikbesitzer urteilen und nicht der Beschäftigten;
so werden zu Befragungen stets nur ausgesuchte und
eingeschüchterte Arbeiter vorgeführt, und die
Prüfungskommissionen zeigen keine Interesse, andere Arbeiter zu
befragen.
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| Eine
Hauptforderung an die
großen Konzerne ist daher: ► die Einführung eines funktionierenden, unabhängigen Kontrollsystems, an dem lokale Akteure institutionell beteiligt sind, die das Vertrauen der Arbeiter genießen. Weitere Forderungen sind: ► ein Verbot des Zwangs zu Überstunden, ► ein unbeschränktes Vereinigungsrecht, sowie ► die Zahlung eines Lohns, der die Befriedigung der Grundbedürfnisse sicherstellt. |
![]() (vlnr: Maik Pflaum (CI Romero),
Sonia Lara, Ludger Grünewald (ai))
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Was Sie tun
können:
adidas-Salomon AG, z.Hd. Herrn Henke, Direktor für Umwelt und
Soziales, Adi-Daßler-Straße 1, 91074 Herzogenaurach.Postkarten, versehen mit den genannten Forderungen, die an Adidas adressiert sind, können von der CI Romero bezogen werden (www.ci-romero.de) oder vom Hauensteiner Weltladen (Mittwochs von 17 bis 18 Uhr im Pfarrheim). Dort gibt es auch „KundInnenkarten“ ähnlichen Inhalts wie die Postkarten, die der Konsument dem Einzelhändler geben kann, um ihm sein Missfallen hinsichtlich der genannten Produktionsbedingungen kundzutun. Leser dieses Artikels können sich damit aber auch eigenständig an Adidas wenden und einem Brief eine Kopie davon oder von dem unten genannten Zeitungsbericht beifügen; die Adresse lautet: (Einen Musterbrief finden Sie hier als rtf-Datei oder als pdf-Datei.) |
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| Zeitungsbericht (Rheinpfalz, Marktplatz
regional, Bad Bergzabern, 30.6.2004, 1.1MB, pdf) |
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