„Solidarität
für Russland“
Die
internationale Russland-Kampagne (Okt. 2002 – Dez. 2003) stand
unter dem Motto „Gerechtigkeit für jede und jeden“. Für
uns Ausführende und Frontkämpfer/innen war die Zielrichtung
anfangs schwer zu verstehen, auch wenn das ausgezeichnete Material
(pro Vierteljahr jeweils ausgezeichnete Begleitbroschüren zum
Thema Frauen in Haft, Kinder und Jugendliche, Straflosigkeit bes. im
Krieg gegen Tschetschenien) alle Aspekte beleuchtete. Der Slogan
aller Plakate und Banner, „Solidarität für Russland“,
mit Betonung auf „für“, deutete auf vieles hin.
Unterstützung brauchen:
- die Menschen in Russland – samt ihrer
Umwelt,
- die Opfer der im eisigen politischen
Klima unter Präsident
Putin entwickelten „gelenkten Demokratie“,
- die Menschenrechtsaktivisten und
-aktivistinnen,
- die Journalisten und Journalistinnen
- und die zum Einlenken bereiten und
durch das neue
Strafgesetzbuch von 2002 abgesicherten Vollzugsorgane!
So bildete
den Auftakt eine Postkartenaktion mit bunten Grußadressen oder
mit der Forderung nach Freilassung des wiederholt einsitzenden
Umweltjounalisten Grigorij Pasko (Dokumentation der Atomverseuchung)
an die Behörden. Letzterer Fall ging denn auch durch alle
Medien.
Offenbar
durch diesen mit aktuellen Analysen untermauerten versöhnlichen
Auftakt wurden dann auch die akzentuiert geäußerten
Forderungen sehr ernst genommen: Der nun weltweit bekannte Grigorij
Pasko wurde unter bestimmten Bedingungen freigelassen; der in einem
ersten Prozess straflos gelassene russische Oberst Jurij Budanow
wurde nach massivem Protest Mitte 2003 für die Vergewaltigung
und Ermordung einer jungen Tschetschenin zu 10 Jahren schärfster
Haft verurteilt. Es war der erste Fall, in dem ein Angehöriger
der russischen Streitkräfte vor ein ordentliches Gericht
gestellt worden war. Ein erster Schritt gegen die bisherige
Straflosigkeit von Titelträgern ist geschafft.
Die
Hauptaktionen der Gruppe fanden statt: am 8. März, dem
internationalen Frauentag, beim Volkshochschulvortrag zu
„Straflosigkeit am Beispiel des Kriegs in Tschetschenien“ und am
1. Mai bei der Gewerkschaftskundgebung. In vorgefertigten Briefen
konnten Passanten bewegt werden, gegen erschütternde
Menschenrechtsverletzungen, die explosiven und
gesundheitsschädlichen
Gefängnisbedingungen, die Diskriminierung von ethnischen und
religiösen Minderheiten und die Nichtbeachtung der sog.
„Frauen-Konvention“ (CEDAW, „Convention on the Elimination of
All Forms of Discrimination against Women“ von 1979, ratifiziert,
jedoch nicht in Kraft gesetzt) zu protestieren. Die Gruppe verwendete
öfter den reziproken Briefschreibstil: Dank oder Lob für
Verbesserungen werden gekoppelt mit dem Appell zu weiteren
Anstrengungen für die Abschaffung aller Missstände ...
Großen
Raum nahm auch ein die Einforderung des zivilen Ersatzdienstes in
Russland. Bisher ist Kriegsdienstverweigerung nicht vorgesehen und
wird noch mit vier Jahren Ersatzdienst bestraft! |

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Der
Kontrast der Lebensbedingungen im heutigen Russland konnte deutlicher
nicht gemacht werden: Der auffallendste Schmuck am Info-Stand waren
große Folklore-Matrjoschkas, vor dem Hintergrund der nach und
nach reichhaltiger werdenden Banner-Malerei mit Motiven aus dem
russischen Strafvollzug. Die Banner in einer Gesamtlänge von
über 700 Metern wurden im Dezember 2003 in Berlin vorgestellt.
Schwer zu
finden waren Unterstützer bei der Informationsarbeit. Die
Medienberichte im gleichen Jahr stützten sich immer noch auf die
zeitweilige Popularität Putins; mit Kritik an der Alltagspolitik
der „gelenkten Demokratie“ mit Pressezensur, Ausgrenzung der
Minderheiten und Defiziten auf allen Gebieten tun sich die Menschen
schwer.
Interessant
war, wie viele Russlanddeutsche sich um die zum Teil in russischer
Sprache vorliegenden Briefe scharten und Zusammenhänge zu
verstehen versuchten, die sie vorher nicht vermittelt bekommen
hatten.
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Auf der
Jahreshauptversammlung von amnesty international an Pfingsten 2003,
wurde wieder der Menschenrechtspreis der deutschen Sektion verliehen:
Er fiel an Swetlana Gannuschkina
aus Russland. Als Gründerin und
Vorsitzende des Kommitees „Zivile Unterstützung“, in dem
Moskauer Bürgerinnen und Bürger haupt- und ehrenamtlich
zusammenarbeiten, unterstützt sie Flüchtlinge, die vor
allem vor der den kriegerischen Auseinandersetzungen in
Tschetschenien in die Hauptstadt geflüchtet sind. Sie leitet
zudem das Programm „Netzwerk juristischer Beratungsstellen für
Flüchtlinge und Vertriebene“ des Menschenrechtszentrums der
russischen Bürgerrechtsorganisation MEMORIAL, das überall
in der russischen Föderation Anlaufstellen und Büros hat.
Durch die öffentliche Würdigung und Namensnennung werden
besonders die stark gefährdeten MenschenrechtlerInnen
geschützt.
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