Kindersoldaten - ein weltweiter Skandal300.000 Kindersoldaten insgesamt, davon die Hälfte in Afrika - so sieht die Wirklichkeit aus, die am 30.09.2003 im Mittelpunkt eines Informationsabends stand, den amnesty international und die Arbeitsgemeinschaft Asyl in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule anlässlich des Tags des Flüchtlings einem interessierten Publikum anboten |
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Engagement ist für Pater Wolfgang Schonecke vom Netzwerk Afrika Deutschland, einem Zusammenschluss katholischer Ordensgemeinschaften, die in Afrika Missions- und Entwicklungsarbeit leisten, eine Selbstverständlichkeit. Fast sein ganzes Leben hat er in Afrika verbracht, u.a. 20 Jahre in Uganda und 7 Jahre in Kenia. 1986 bekam er in der ugandischen Hauptstadt Kampala, als der Bürgerkrieg eigentlich beendet schien, hautnah mit, wie es ist, wenn Kinder Kinder umbringen; und das Thema ist dort auch heute noch aktuell. In 14 afrikanischen Bürgerkriegen wurden und werden fast überall Kindersoldaten eingesetzt, sowohl von Regierungsarmeen als auch von Rebellengruppen: 30.000 sind es derzeit in der Demokratischen Republik Kongo, wo wirtschaftliche Interessen ethnische Strukturen "benutzen" und ausgerechnet Uganda und Ruanda, die davon profitieren und am meisten Kindersoldaten rekrutieren, von den westlichen Regierungen gehätschelt werden; in Mosambik ermöglichte ein Versöhnungsritual die Rehabilitation von 15.000 Kindersoldaten; in Angola warten 10.000, in Sierra Leone 10.000, in Liberia 8.000 (neuere Zwangsrekrutierungen nicht mitgezählt) und im Sudan ebenfalls 8.000 auf ihre Rehabilitation, während in Norduganda aktuell 4.000 Kinder entführt und zwangsrekrutiert sind. Und während des Kriegs zwischen Äthiopien und Eritrea wurden sie vorsätzlich in die vom Gegner gelegten Minenfelder geschickt, um diese auf Kosten ihres eigenen Lebens minenfrei zu machen. |
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| Warum es
Kindersoldaten gibt? Eigentlich hat es sie in der Geschichte immer
gegeben, jeder von uns kennt die "Knappen" aus der Ritterzeit; nur
waren damals die Waffen zu schwer, als dass Kinder als Kämpfer
hätten eingesetzt werden können. Heutzutage werden leichte,
billige Kleinwaffen verwendet; ethnisch geprägte totalitäre
Regime führen zur Entstehung bewaffneter Oppositionsgruppen und
Bürgerkrieg, und Jugendliche, die nach Beendigung der Schule keine
Arbeit finden, sind einfacher zu manipulieren, wobei
Straßenkinder, AIDS-Waisen und Flüchtlingskinder besonders
gefährdet sind. Doch die wenigsten Kinder sind Kindersoldaten aus Überzeugung oder zur Bestreitung des Lebensunterhalts aufgrund der wachsenden Verarmung der Bevölkerung oder dienen wie in Birma (70.000) in der regulären Armee. Fast alle werden entführt und gefügig gemacht. Werden die Jüngeren erst einmal zum Tragen von Lasten, als Spione oder zur Versorgung der Truppe herangezogen, müssen die Älteren Schläge über sich ergehen lassen, müssen andere schlagen, werden Hunger und Gewaltmärschen ausgesetzt, werden zu Morden an Angehörigen der eigenen Familie oder Ortschaft gezwungen, sodass sie nicht mehr zurück können, werden mit Drogen gefügig gemacht. 30 % der Kindersoldaten sind Mädchen, sie werden zusätzlich sexuell missbraucht, und diese "Unehre" lässt ihnen nur den Weg in die Prostitution offen. Wenn ein Kind mit Gewalt, Kampf und Sterben aufwächst, ist es sehr schwer, die Gewaltbereitschaft abzubauen. Es braucht nur wenige Tage, um ein Kind zum Soldaten zu erziehen, aber viele Jahre sind nötig, um dieses Kind wieder ins Zivilleben zu integrieren. Die gesamte Aufarbeitung dauert in der Regel eine Generation. Und was kann von hier aus getan werden? Da gab es verschiedene Vorschläge. Momentan darf man in Deutschland mit 17, in Großbritannien mit 16 freiwillig in die Armee eintreten, doch sollte Europa Vorbild sein und Freiwillige erst mit 18 zulassen. Zudem sollte auf die Konzerne und auf die Konfliktparteien eingewirkt werden; wer sich ein Handy oder ein Schmuckstück kauft, muss sich bewusst sein, dass sie/er damit möglicherweise Kriegshandlungen finanziert. Westliche Länder sollten die Subvention der landwirtschaftlichen Überproduktion abbauen, die dann zu Dumpingpreisen auf den internationalen Markt gebracht wird. Und Regierungen sollten Gelder für Rehabilitationsprogramme zur Verfügung stellen. Wichtig wäre es, Führer, die Kindersoldaten einsetzen, als Kriegsverbrecher vor dem Internationalen Strafgerichtshof anzuklagen, sieht doch die UN-Kinderrechtskonvention vor, dass der Einsatz von Kindern unter 15 Jahren in Kriegshandlungen als Kriegsverbrechen anzusehen ist. Der zum Abschluss gezeigte, von der UNICEF produzierte Film "armed and innocent" lässt zwei junge Männer und eine junge Frau erzählen, wie sie zu Kindersoldaten wurden, was sie erlebten, was sie in den Auffanglagern lernten und welche Zukunftspläne sie haben. Zeichnungen ehemaliger Kindersoldaten unterstrichen eindrucksvoll ihr Leid. Der Eindringlichkeit des Films konnte sich niemand entziehen. |
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